Strelitziaceae · Ökologie

Strelitzia reginae: die Blüte, die von den Füßen der Vögel bestäubt wird

Strelitzia reginae

Im Englischen heißt sie bird of paradise, im Deutschen Paradiesvogelblume, nach der vogelähnlichen Form der Blüte: Eine waagerechte, spitze Blütenscheide hält einen Fächer aus orangefarbenen und blauen Blütenblättern, sodass das Ganze einem Vogelkopf mit Schnabel gleicht. Doch Strelitzia reginae ist auf weit konkretere Weise an Vögel gebunden als durch bloße Ähnlichkeit. Sie nutzt sie zur Bestäubung, sie tut dies mit einem Kniff, der im Pflanzenreich nahezu einzigartig ist, und zugleich verbirgt sie in ihren Samen ein Pigment, das sonst nur von Tieren bekannt ist.

Die Blüte als Sitzstange: Bestäubung durch die Füße

In ihrer südafrikanischen Heimat wird Strelitzia reginae von Nektarvögeln (Nectariniidae) bestäubt. Die Blüte ist als Sitzstange für genau diese Vögel gebaut. Die blauen Blütenblätter sind teilweise zu einer pfeilförmigen Struktur verwachsen, die waagerecht hervorsteht, und hier landet der Vogel, um an den Nektar am Grund der Blüte zu gelangen. Unter dem Gewicht des Vogels klappt die Struktur auf und legt die im Inneren verborgenen Staubblätter frei. Der Pollen wird nicht auf dem Kopf oder Schnabel des Vogels abgelegt, sondern auf seinen Füßen, und zur Narbe der nächsten Blüte getragen (Oxford Plants 400). Diese Fußbestäubung ist, soweit bekannt, nahezu einzigartig: Strelitzia gilt als die einzige Pflanzengattung, die von den Füßen der Vögel bestäubt wird.

Betrachtet man eine einzelne Blüte genauer, so besteht sie aus drei orangefarbenen Kelchblättern und drei blauen Blütenblättern. Zwei der blauen Blütenblätter sind zu dem Pfeil verwachsen, auf dem der Vogel sitzt und der sowohl die Staubblätter als auch den Griffel verbirgt. Es ist eine ungewöhnliche Arbeitsteilung: Die leuchtend gefärbten Kelchblätter liefern das Signal, während die verwachsenen Blütenblätter zu einem präzisen mechanischen Werkzeug geworden sind.

Die Blüte trägt alle Kennzeichen dessen, was Botaniker das Vogelbestäubungssyndrom nennen: kräftige rote und orange Farben, die Vögel gut sehen, keinen Duft, den Vögel nicht brauchen, und reichlichen, verdünnten Nektar tief in der Blüte. Ein wichtiger Unterschied zwischen den afrikanischen Nektarvögeln und den amerikanischen Kolibris besteht darin, dass Nektarvögel sitzen, statt in der Luft zu schweben. Deshalb haben von Nektarvögeln bestäubte Blüten wie Strelitzia eine feste Sitzstange, während Kolibriblüten typischerweise frei hängen und keine Landefläche bieten.

Der Mechanismus ist präzise und durch Gewicht ausgelöst, nicht zufällig. Die Blüte öffnet sich nur, wenn etwas vom richtigen Gewicht an der richtigen Stelle landet, und das stellt sicher, dass der Pollen auf einem Bestäuber landet, statt verstreut zu werden. Die Blüten sitzen zudem zu mehreren zusammen in der waagerechten Blütenscheide und öffnen sich über mehrere Tage hinweg einzeln nacheinander, sodass ein Vogel Grund hat, zurückzukehren. Dass die Art auch außerhalb Südafrikas, wo sie kultiviert wird, wirksam von Vögeln bestäubt wird, zeigt, wie robust das System ist (South African Journal of Botany 2010).

Bilirubin: ein tierisches Pigment in einer Pflanze

Die kräftigen Farben sind nicht nur zur Schau. Im Jahr 2010 fand ein Forschungsteam unter der Leitung von Cary Pirone in Strelitzia reginae etwas Unerwartetes: Bilirubin (Pirone et al. 2010). Bilirubin ist ein gelb-oranges Pigment, das die meisten von Tieren kennen, wo es beim Abbau von Hämoglobin entsteht und das Gelb von Blutergüssen und Gelbsucht hervorbringt. Es war zuvor noch nie als Pigment in einer Pflanze nachgewiesen worden.

Das Pigment erwies sich als der Hauptfarbstoff der orangefarbenen Samenmäntel der Art, mit geringeren Mengen in den Kelchblättern. Bilirubin gehört zur Gruppe der Tetrapyrrole, die sonst von Chlorophyll und vom Sauerstofftransport des Blutes bekannt sind, doch anders als diese bringt Bilirubin hier eine sichtbare Schaufarbe hervor. Bis dahin waren keine Tetrapyrrole bekannt, die in Pflanzen eine Schaufarbe erzeugen, weshalb der Fund mehr als eine Kuriosität war (Pirone et al. 2010).

Die Forscher identifizierten das Pigment mit Flüssigkeitschromatographie und Massenspektrometrie und konnten dadurch ausschließen, dass es sich lediglich um eine verwandte Verbindung handelte. Die Entdeckung fügte Strelitzia der kurzen Liste jener Fälle hinzu, in denen sich die Grenze zwischen der Chemie der Pflanzen und der Tiere als durchlässiger erweist, als Lehrbücher lange annahmen.

Jede Farbe hat ihre eigene Funktion. Das intensive Blau der Blütenblätter entsteht durch einen anderen Mechanismus als der orangefarbene Samenmantel, und der Samenmantel selbst sitzt als heller, kräftig gefärbter Schopf auf dem ansonsten dunklen Samen. Das ist kein Zufall: Ein auffälliger Überzug ist ein klassisches Signal an Vögel, dass es hier etwas Essbares gibt, und die Vögel verbreiten im Gegenzug die Samen. Bilirubin ist seither in mehreren Pflanzenarten gefunden worden, doch Strelitzia reginae war die erste, und der orangefarbene Überzug um den Samen ist noch immer das Lehrbuchbeispiel. Eine Blüte, die einem Vogel gleicht, teilt am Ende also auch ein Pigment mit den Tieren.

Von den Flussufern Südafrikas, benannt nach einer Königin

Strelitzia reginae Banks gehört zur Familie Strelitziaceae und zur Gattung Strelitzia, einer kleinen Gruppe ausdauernder, stammloser bis baumartiger Pflanzen aus dem südlichen Afrika, darunter die hohe Strelitzia nicolai mit weißen Blüten. Die Familie gehört zur Ordnung der Zingiberales, derselben wie die Bananen, und die Verwandtschaft zeigt sich in den großen, paddelförmigen Blättern, die fächerförmig von der Basis aus stehen. Strelitzia reginae bildet keinen echten Stamm, sondern wächst in dichten Horsten, und sie ist langsam: Aus dem Samen kann es mehrere Jahre dauern, bevor sie blüht.

Die Art ist im östlichen Südafrika heimisch, im Eastern Cape, wo sie entlang von Flussufern und im Küstengebüsch wächst. Von dort hat sie sich seither in warme Regionen rund um die Welt verbreitet und gehört heute zu den unverwechselbarsten Zierpflanzen überhaupt, nicht zuletzt als Schnittblume, denn die steifen Stiele halten lange.

Die Gattung umfasst nur eine Handvoll Arten, und Strelitzia reginae ist die bei weitem am häufigsten kultivierte von ihnen. In Südafrika ist die Pflanze ein bekanntes Symbol, und international ist sie zu einer der festen Ikonen des Blumenhandels geworden. Hinter diesem Status steht jedoch eine Art, deren Biologie fein auf ein bestimmtes Zusammenspiel mit bestimmten Vögeln in einer bestimmten Landschaft abgestimmt ist und die nur dann reichlich blüht, wenn sie genug Licht und Wärme bekommt.

Der Name trägt ein Stück europäischer Hofgeschichte in sich. Sowohl der Gattungsname Strelitzia als auch das Artepitheton reginae, “der Königin”, ehren Königin Charlotte von Mecklenburg-Strelitz, die Gemahlin des britischen Königs Georg III. Die Art wurde 1789 in Hortus Kewensis beschrieben, William Aitons Werk über die Pflanzen von Kew, in dem Sir Joseph Banks die führende Gestalt war, und der Name wird Banks zugeschrieben. Die Pflanze, die man im Topf kauft, ist dieselbe, deren Blüte sich in freier Natur unter dem Gewicht eines Nektarvogels öffnet, ihm Pollen auf die Füße stäubt und ein tierisches Pigment in ihren Samen verbirgt. Nur wenige Zimmerpflanzen tragen so viel ungewöhnliche Biologie in einer Form in sich, die die meisten Menschen nur als Dekoration wahrnehmen.

Quellen

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